Wo die Liebe hinfällt

Ich weiß noch wie abartig warm es war an diesem Tag und wie sehr ich mich auf den gemeinsamen Abend mit meiner besten Freundin freute. Endlich wieder feiern gehen! Alle Sorgen vergessen, vom Mamasein abschalten und ja, was trinken.
Kannte ich ja alles, nur was neu war, war der Ort. Die Kölner Ringe, wo jetzt nicht gerade Schneewittchen und Prinzen abfeierten, sondern eher so High-Heel Tussis und Murats. Geeeeil! Kann ich also mal wieder hohe Schuhe zum feiern anziehen und was schickes obenrum, denn in Hannover, wo ich sonst immer feiern gegangen bin, war nur T-Shirt und Chucks angesagt. Elektro-Schuppen halt.

Aber heute, heute hieß es voll zur Frau zu mutieren und die Schminke wurde gleich doppelt auf’s Gesicht geklatscht. Fertig.

Die Freundin kam mit Alkohol zum vortrinken, ich sehr beschwipst, fuhr dann also mit ihr zur Kölner Partymeile, die mich zum ersten Mal begrüßte. Schön sah sie aus. So bunt, mit vielen türkisch aussehenden Männern, blonden großen Frauen und paar aggressiven Viechern. Die kamen zum Glück aber nicht mehr rein.

Nachdem wir drinnen waren fiel mir auch wieder ein, warum mir diese abgeranzten Schuppen aus Hannover deutlich mehr gefiehlen…da machte dich irgendwie keiner an! In deinem T-Shirt und ’nem Bier zu psychedelischer Musik hin und her zu wippen war schon was anderes, als fremde Männerhände wie eklige Spinnen und dem passenden Gesichtsausdruck dazu, wegzuscheuchen..

Nachdem man sich seinen Platz frei gekämpft hatte, tanzen konnte, mit der Freundin einem Tequila nach dem anderen kippte, kann einem auch schon mal schlecht werden. Ne ne, von mir ist in diesem Fall nicht die Rede.

Also gings dann irgendwann raus, damit meine Begleitung etwas „frische Luft“ schnappen konnte. Gesagt getan. Wir setzten uns also auf eine Bank, lachten und erzählten uns den größten Mist. Mittlerweile war es hell, die Laune, trotz Übelkeit auch bei meiner Freundin, war grandios. Auf einmal verlangte sie jedoch nach einem Wasser, was ich ihr natürlich auch geholt hätte, aber vielleicht machts ja doch ein anderer?

In dem Moment kommen zwei Jungs an uns vorbei und ohne wirklich in ihre Gesichter zu schaunen, sprach ich einen von denen an. Meinen Max. Das dieser Typ irgendwann meine Mia kennen, akzeptieren und lieben wird, wusste ich bis dato noch nicht.

Anstatt mich irritiert anzuschauen und mir ’nen Vogel zu zeigen, sah er mich von oben bis unten an und meinte „aber nur wenn du mitkommst“. Mit der Reaktion hatte ich irgendwie nicht gerechnet, ging aber drauf ein. Sein Freund blieb bei meiner Freundin und Max und ich schritten zum nächsten Kiosk. Gott war ich betrunken. Erst stellte ich mich an die Kasse, verlangte nach einem Wasser und wunderte mich dann lautstark, als man mich drauf hinwies, ich müsse es schon selbst aus dem Kühlschrank hinter mir holen…Nach Max‘ skeptischen (ist die ’n Snob?) Blick, merkte ich selbst wie bescheuert meine Aussage war und konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Er lachte mit. Zum Glück.

Der Abend zog sich also so dahin, dass Max und ich uns die ganze Zeit unterhielten, uns um meine Freundin kümmerten, die nach 2 Stunden dann auch wieder fit war. Also hieß es wieder tanzen, aber da wollte der neue Typ nicht mit. Er ginge nicht feiern, waren seine Worte. Hä, war mein Gesichtsausdruck. Wo käme er denn überhaupt her mit seinem Freund im Schlepptau?

Als er mir erzählte, dass man ihn heute überredet hätte mit in eine Bar zwei Haltstellen weiter von hier einen zu trinken, obwohl er keine Lust hatte, wurde ich hellhörig. Denn warum er die Straßen von Köln rauf und runter ging war, dass er richtig nüchtern werden wollte, denn er war mit seinem Auto hier. Ich war ziemlich baff. Was ein Zufall. Ein Typ der an dem Abend richtig überredet werden musste, parkt sein Auto vor der Bar in der er getrunken hatte und läuft zum ausnüchtern die Kölner Ringe mit seinem Freund rauf und runter… Und trifft mich!?

Beim verabschieden war mein einziger Gedanke, dass er doch bitte nach meiner Nummer fragt. Tat er. Dafür bekam er einen kleinen Kuss. Kurz und flüchtig.

Keine halbe Stunde später schrieb ich ihm, wo er denn wäre. Ich wollte ihn sehen. Glück gehabt meinte er, 1 Minute später und er wäre Richtung Autobahn.

2 Minuten später stand er mit seinem Auto vor mir, stieg aus, ließ seinen ziemlich mies gelauten Kumpel im Auto sitzen und umarmte mich. Ich küsste ihn, kam mir vor wie ein kleines Mädchen. Das ich selbst ein kleines Zuhause hatte, erzählte ich ihm auch. Seine Augen weiteten sich, er war schockiert. Und ich? Ich zeigte ihm, total ignorierend seinem Gesichtsausdruck gegenüber, Fotos meiner Prinzessin und redete so verliebt über sie, dass er ziemlich angetan war und sich irgendwie..beruhigte. Als ich ihn dann fragte wie alt er eigentlich wäre, war ich diejenige, die ihn mit großen geschockten Augen anstarrte. Fünf Jahre. Fünf verdammte Jahre war er jünger. Wir waren quitt und am nächsten Tag um 15.00 Uhr meldete er sich. Fazit: Der Anfang einer Bilderbuchbeziehung.

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14 Comments on Wo die Liebe hinfällt

  1. Sarah
    26. November 2015 at 21:53 (3 Jahren ago)

    Unfassbar schön. Ich freu mich für dich…. Denn die Liebe bereichert das Leben. Viel Glück euch. LG Kreszenzia

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  2. cilek
    27. November 2015 at 2:39 (3 Jahren ago)

    Du hast aber nichts gegen Türken oder? Hast die meisten „Ausländer“ immer nur als Türken bezeichnet.. :/

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  3. claudette
    27. November 2015 at 13:57 (3 Jahren ago)

    So toll <3 ich wünschte mein kleiner und ich haben auch irgendwas das Glück 🙂

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  4. Pauline
    27. November 2015 at 14:22 (3 Jahren ago)

    Ich glaube ans Schicksal, kann mir jeder sagen was er will! 🙂 Super coole Geschichte und dass er 5 Jahre jünger ist, sieht man ihm nicht an. Wünsche euch das beste Glück der Welt und ich „beobachte“ euch aus der ferne 🙂

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  5. Marina
    27. November 2015 at 15:36 (3 Jahren ago)

    Wirklich wunderschön geschrieben. Und was für eine tolle Kennlerngeschichte 😍 wie aus dem Bilderbuch. Ich hatte tatsächlich Tränen in den Augen als ich gelesen hab wie er auf die Bilder der kleinen süßen Mia reagiert hat.
    Ihr seid ein wirklich tolles Paar, und ich wünsche euch noch viel Glück weiterhin:)
    ich muss auch noch sagen, wie sehr ich dich generell bewundere, du machst alles so toll. Und es ist so schön an deinem Alltag teilhaben zu können. Mach weiter so!:) Ich freue mich jeden Tag etwas neues von dir zu lesen. Es macht einfach so Spaß. Du bist eine wirklich tolle und begabte Schreiberin (weiß nicht ob man das so sagt🙈)
    Liebe Grüße Marina

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  6. Helena
    28. November 2015 at 6:25 (3 Jahren ago)

    Tolle Liebesgeschichte!! 🙂

    Bin eher eine stille Mitleserin aber ich folge dir so, so gerne! 🙂

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  7. Leggiadria
    28. November 2015 at 20:00 (3 Jahren ago)

    Einfach süß ❤️ Das Schicksal meint es halt manchmal gut mit einem 🙂

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  8. Carolinchen
    29. November 2015 at 14:10 (3 Jahren ago)

    Das ist eine Herzensgeschichte, wie man sie verdient ❤️ Das freut mich sehr für dich und euch ☺️ 🍀

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  9. Malina
    29. November 2015 at 20:36 (3 Jahren ago)

    Oh Mann…so schön! Irgendwann will ich das auch endlich haben! Viel Glück euch drei weiterhin! Liebe Grüße aus Österreich von Malina

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  10. Saskia
    29. November 2015 at 23:00 (3 Jahren ago)

    Was für eine schöne Geschichte… ❤️

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  11. Elephantslover
    30. November 2015 at 10:44 (3 Jahren ago)

    Mit Tequila passieren die besten Dinge :). Schön, alles Liebe euch :))

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  12. Jana
    4. Dezember 2015 at 17:17 (3 Jahren ago)

    super süß 🙂 traumhaft schöne Geschichte 🙂 Viel viel Glück euch weiterhin 🙂

    fast wie bei mir, nur das ich einen wundervollen Partner mit einer total süßen kleinen Prinzessin gewonnen habe <3 🙂

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  13. Tanja
    19. Januar 2016 at 11:01 (3 Jahren ago)

    tolle Geschichte wie ihr euch kennen gelernt habt.. Vielleicht sollte ich doch mal anfangen mit dem Tequila 😀 Fühle mich so oft alleine aber lerne einfach nicht den Mann kennen mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann bzw. klappt es nie mit dem, den ich mir vorstellen könnte 🙁 Freue mich dennoch für dich und hoffe dass ihr noch ganz ganz viele Jahre zusammenbleibt . Am besten bis zum Lebensende 🙂

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  14. Kathrin
    1. Juni 2016 at 12:40 (2 Jahren ago)

    Du hast das soooo unglaublich schön geschrieben!!
    Ich konnte mich so richtig hineinversetzen, als wäre ich an deiner Stelle gewesen und das Kribbeln habe ich auch spüren können 😍
    Unglaublich toll! Ich wünsche euch alles gute!
    Liebe Grüße, Kathrin

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