Elternzeit = mummytime? Ja aber…Teil II

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Irgendwann Anfang August kam das Thema Elternzeit wieder auf den Tisch und ich fasste mir ein Herz und ließ die Katze aus dem Sack, denn der Entschluss, dass ich die Elternzeit gerne „fair“ teilen würde (für jeden von uns 7 Monate) hatte sich für mich verfestigt.

Mit einer solch einer Reaktion von Anne hatte ich wirklich nicht gerechnet!!!

Ob sie sauer oder gar wütend war? Weder noch, sie hatte Verständnis! Ja genau, sie hatte Verständnis. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich offene Türen einrannte und meine Frau nicht Dinge äußerte wie: „vielleicht bekommen wir nur ein Kind in unserem Leben, da will ich das Jahr genießen“. Die Unterhaltung schaukelte sich jedoch etwas auf und wir wissen beide, wann wir eine Unterredung beenden müssen, damit wir nicht im Streit auseinander gehen (zwei Dickköpfe).

Nächster Morgen, gleiches Thema. Meine Frau und ich hatten uns wohl beide noch mal Gedanken gemacht und am Frühstückstisch war sie es, die die Initiative ergriff und das Thema nochmal ansprach. Sie erklärte mir, dass sie es grundsätzlich richtig findet, dass ich auch einen großen Teil der Elternzeit übernehmen möchte, aber sie wollte das Kind schließlich stillen und möglichst viel Zeit mit ihr verbringen – ich glaube, das waren schon die sehr ausgeprägten Muttergefühle. Gutes Argument, dachte ich, denn schließlich ist, wie ich aus meiner ausgiebigen Lektüre wusste, die Muttermilch das Beste für das Kind. Aber ich entgegnete, dass sie das Kind ja 7 Monate voll stillen kann und im Anschluss, wenn mit der Breikost angefangen wird, bestände immer noch die Möglichkeit „zu zufüttern“, sei es mit abgepumter Milch oder indem sie unsere Kleine morgens und abends stillt. So hatte meine Frau das noch nicht gesehen, denke ich und das schien ein Kompromiss zu sein. Ich habe dann meiner Frau genau erklärt, wieso ich mich dazu entschlossen habe auch 7 Monate Elternzeit zu übernehmen zu wollen.

Ich weiß, dass die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind eine ganz Besondere ist, aber die Liebe eines Vaters steht der in nichts nach.

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Ich erklärte meiner Frau, dass es für mich als Vater extrem wichtig wäre, diese Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, um eine ebenso enge Bindung zu ihr aufbauen zu können. Mütter bauen diese Bindung nachweislich schon während der Schwangerschaft und der Stillzeit auf. Für Väter ist es gerade am Anfang eher schwer. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass eine Teilung der Elternzeit auch für die Entwicklung des Kindes immens wichtig sei, da ein Vater die alltäglichen Dinge anders regelt als eine Mutter, was nicht schlechter bedeutet. Der letzte Punkt war natürlich auch die Chance mich meinem Kind 7 Monate zu widmen und in die Rolle des Hausmannes zu schlüpfen – ja ich koche, wasche und putze.
Meine Frau hatte diese Dinge so nicht bedacht und konnte es nachempfinden und wir beschlossen, am nächsten Morgen weiter über das Thema zu sprechen und den restlichen Tag zu genießen.

Wie es am nächsten Tag mit der Entscheidung weiterging? Gar nicht, wir haben es versäumt und ich fuhr den Tag darauf wieder nach Berlin.

Am nächsten Freitag kam ich nach Hause und meine Frau hatte ein Überraschung für mich, sie machte mir ein riesiges Geschenk. Nein es war keine neue Playstation und auch kein neuer Golfschläger. Meine Frau sagte mir, dass sie sich jetzt eine Woche Gedanken zum Thema Elternzeit gemacht hat und meinem Vorschlag zustimmt. Sie erklärte mir, dass sie die Verantwortung, die ich für unser Kind während der Elternzeit übernehmen möchte, sehr zu schätzen weiß und mich in meinem Vorhaben unterstützen wolle. Ich bildete mir ein, dass Anne sich auch vor Augen geführt hat, dass wir bei einer Teilung der Elternzeit nur für die ersten 7 Monate eine Familien-Fernbeziehung führen müssen und wir den zweiten Teil ein „normales“ Familienleben führen können – auch wenn Anne 9to5 arbeiten müsse – verkehrte Welt. Nachdem wir uns nun auf diese wunderbare Variante geeinigt hatten, konnten wir uns ganz auf die Geburt unserer Tochter freuen.

Weit gefehlt, denn umso näher der Tag X, an dem aus jetziger Sicht der wunderbarste und liebenswerteste Minimensch in unser Leben getreten ist, wurde das Thema Elternzeit immer häufiger von Bekannten, Freunden und der Familie angesprochen. Da ist es wieder DAS Thema und ich dachte es nimmt kein Ende. Diese Gespräche glichen in 99% der Fälle einem Muster, wir bekamen Besuch, die Schwangere wurde bestaunt und es fiel fast immer der Satz: „Hey Anne, bald ist es geschafft und dann musst du nach der Geburt 1 Jahr nicht mehr arbeiten und kannst dich deiner Tochter widmen“. Ok dachte ich mir und fragte mich zugleich, wo kommt denn eigentlich der Vater in der Geschichte vor – mir schien es so, dass für mich irgendwie kein Platz in der Geschichte war. Aber ich ließ mich auch nicht lumpen und habe natürlich ALLEN von unserem Plan, die Elternzeit zu teilen, erzählt. Wie die Reaktionen darauf waren? Zunächst betretendes Schweigen und in den Blicken konnte man es ganz klar lesen – Panik, Panik. Ich dachte mir wieder, „hey, es ist niemand gestorben, ICH nehme nur Elternzeit“. Nachdem alle sich dann in dem Moment des Schweigens gesammelt hatten, wurde die moralische Keule ausgepackt und mir wurden indirekt Vorwürfe gemacht, „ein Kind braucht seine Mutter“ – Ja, sagte ich, seinen Vater aber auch. Ganz beliebt war auch, „kannst du das den überhaupt, für ein Kind sorgen?“ – Ja, warum denn nicht, ich habe zwei Arme, Beine und der Kopf funktioniert auch ganz gut – sollte also klappen. Es folgten für mich endlose Minuten, in denen versucht wurde uns von der dunklen Seite der Macht zu bekehren. Doch unser Entschluss stand fest und es blieb auch dabei.

So kam es dann auch, Ende September, etwas verspätet, wurde unser #supergirlminou geboren und meine Frau kümmerte sich liebevoll die ersten 7 Monate um unsere Kleine. Wir erlebten so schöne Dinge in dieser Zeit, Reisen nach Prag und Barcelona, unser erstes Weihnachtsfest als Familie und und und.

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Ich pendelte an den Wochenenden (ok auch mindestens noch einmal unter der Woche, schließlich war ich addicted to #supergirlminou) von Berlin nach Dresden und der Tag X, an dem ich in meine Elternzeit starten konnte, rückte immer näher. Ich war aufgeregt, aber auch wenig verängstigt, denn meine Frau machte ihre Sache so spitze. Ich dachte nicht, dass ich ihr nur ansatzweise das Wasser reichen könne. Diese Bedenken teilte ich meiner Frau mit. Sie hat mir die Angst, eventuell auch zu versagen, einfach genommen.

Ich bin also Ende April in meine Elternzeit gestartet und meine Frau ist von 0 auf 100 wieder voll arbeiten gegangen.

Ich habe jetzt etwas mehr als einen Monat gemeistert und muss sagen, es kommt nicht drauf an, wie die Dinge mit einem Kind erledigt werden und vom wem, sondern nur darauf, dass man es mit Liebe tut!!!

Bis bald und für Eindrücke aus meiner Elternzeit folgt mir auf Instagram @_lifeofbo

Euer Bo

1 Comment on Elternzeit = mummytime? Ja aber…Teil II

  1. Jana
    3. September 2016 at 7:40 (1 Jahr ago)

    Alles in allem einfach nur herrlich & toll. Natürlich muss jede Familie diese Entscheidung für sich selbst treffen, es jedoch ‚einfach‘ mal so zu sehen und einen Vater zu haben, der sich so sehr mit dem Thema auseinandersetzt (auch schon lange vor der Geburt) und es nicht dem Standard überlässt, sondern diese intensive und prägende Zeit im Leben eines Kindes mit ihm Seite an Seite verbringen möchte, finde ich total klasse. Der Umgang mit Menschen, die man liebt, muss nicht irgendwelchen Theorien entsprechen oder aus Büchern stammen, sondern aus Liebe entstehen. Ich freue mich für euch alle! Mich würde schon noch interressieren, was ihr beide beruflich macht, aber vlt entdecke ich das ja noch auf instagram.
    „All you need is love.“

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