Meine Reise nach Bali – auf die Insel der Widersprüche

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Eine Reise hat ja bekanntlich ihre Höhen und Tiefen. Das ist mir klar. Das war mir klar. Mir war auch klar, dass ich jetzt stark bleiben muss, als ich ein Tag vor Abreise mit Gliederschmerzen und Schüttelfrost, die Rucksäcke fertig packen musste. Auch den Angriff einer Ratte im Restaurant in Bangkok, die sich durch die Bretter durchnagen wollte, um an das heruntergefallene Essen von meiner Tochter zu gelangen, habe ich abgehakt unter Erfahrungen mit ekligen Tieren in Asien. Die Einreise nach Kambodscha, die sich zu einer eigenen Wissenschaft herausstellen sollte, und die Frage wohin das ganze Geld geht. Schließlich zahlt jeder der in das Königreich einreisen möchte 32 Dollar. Ja auch Babys. Aber am Ende war das allerdings alles rein gar nichts, gegen das was uns noch erwarten sollte. Und Schuld war ein harmloser Fruchtshake. Aber der hatte es leider in sich. Und da ich auch unser Kind davon probieren lies, erwischte es uns beide. Eine Lebensmittelvergiftung. Während sie bei mir nur einen Tag anhielt, hatte unsere Tochter damit wesentlich länger zu kämpfen. Und so kam es, dass der Durchfall bei Abreise aus Thailand immer noch anhielt und auch in Singapur nicht besser wurde und seinen Höhepunkt am Flughafen kurz vor Abflug nach Bali erreichen sollte.

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Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, denn unser zweimonatige Trip durch Asien war trotz allem eine wunderschöne Erfahrung. Wir haben interessante Menschen kennen gelernt, uns selber neu erfahren, atemberaubende Landschaften gesehen und sind in exotische Welten eingetaucht. Aber soll ich euch was sagen? Während bei den Erinnerungen an Vietnam, Kambodscha oder Thailand mein Herz sofort wehmütig wird und ich am Liebsten SOFORT wieder zurück reisen möchte, blieb Bali am Ende ganz weit hinter meinen Erwartungen.

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Immer wieder liest man sich durch Reiseblog – Berichte, die sich vor lauter Schwärmerei kaum zügeln können. „Faszination Bali“, „Oh Bali Life“, „Bali -Liebe unseres Lebens“, sind nur einige Titel, die diese euphorischen Texte einläuten. Bin ich die Einzige, die Bali den Titel „Oh Bali – wie sehr war ich von dir enttäuscht“ geben würde? Nein – denn auf unserem Rückflug nach Deutschland sollte ich auf eine Backpackerin treffen, die mich in all dem bestätigen sollte, was ich mir in einem langen Gespräch mit ihr von der Seele reden konnte. Bali hat an Flair verloren. Der Tourismus hat Bali in der Hand und breitet sich immer mehr aus. Es gibt nur noch wenige Ecken, die „unberührt“ erscheinen, die authentisch sind, wo man noch etwas von Balis früher Magie finden kann. Von dieser, von meiner ganz eigenen Erfahrung mit Bali möchte ich euch nun berichten. Aber nun auf Anfang:

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„Welcome to Bali“ begrüßte er uns. Kaum hatte er diese drei Worte ausgesprochen, hätte ich ihm am liebsten mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Da standen wir. Kurz vor Mitternacht. Zwei Stunden zuvor aus Singapur angereist. Mit unserer Tochter auf den Arm, deren Margen Darm Infekt seinen Höhepunkt bei 40 Grad Fieber erreichte. In einem der dreckigsten Zimmer, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Die Raumtemperatur betrug um die 50 Grad, die Klimaanlage war kaputt, das WIFI funktionierte nicht und aus dem angrenzendem Pub wehte uns Zigarettenqualm und grausamer Karaoke Gesang entgegen. Die Nacht verbrachten wir bei offener Tür, da es draußen kühler war, als im Zimmer, ich hellwach, mit unserer kranken Tochter auf dem Arm, mein Mann, ebenfalls wach, um uns vor Moskitos und Kakerlaken zu bewahren. Um 6:32, als die Sonne aufging, schnappten wir uns unsere Rucksäcke und liefen die Straßen entlang, die uns Richtung neuer und bereits gebuchter Unterkunft führen sollten. Auch bei Tageslicht sah es hier nicht viel besser aus. So hatte ich mir Seminyak nicht vorgestellt. Während wir uns also auf die Suche nach einem netten Cafe machten, um etwas passendes zu frühstücken, stellte sich mir die Frage: Das war also Bali?

DAS Reiseziel das ich mich während unseres gesamten Trips am meisten gefreut hatte. In diesem Moment wollte ich einfach nur weg. Zurück nach Thailand. Nach Koh Lanta. Unserer kleinen verträumten Hippie Insel. Aber es bringt nichts. Zu jammern. Und schon gar nicht, wenn man doch auf einer vermeintlichen Trauminsel wie Bali angekommen ist, dachte ich mir. Nach vorne blicken. So schlimm kann es doch gar nicht sein. Wir sind doch auf Bali, die Insel der Götter, redete ich mir immer wieder ein, um die immer wieder aufkeimende Enttäuschung zu verdrängen. Wir hatten einfach nur einen schlechten Start. Einen Tag zu früh angereist, nahm das Unheil doch bereits in Singapur seinen Lauf. Als wir nämlich vor der Entscheidung standen, zurück ins noch nicht gebuchte 150 Dollar Hotel mit dem 60 Dollar Taxi, um dann am nächsten morgen wieder für 60 Dollar zum Flughafen anzureise. So entschieden wir uns ganz abenteuerlustig für eine 25 Dollar Umbuchung. No risk no fun, und was sollte schon nach perfekten Aufenthalten in Vietnam, Kambodscha und Thailand gerade auf Bali schief gehen…Weiter dachten wir einfach nicht nach.

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…einen letzten Schluck aus meinem 5 Dollar Kaffee und dann ging es endlich in unsere vorab gebuchte Unterkunft. Und die war auch wirklich wunderschön. Eine Villa, mit eigenem Pool, in der Nähe des Strands. Jackpot, dachten wir uns, und fingen endlich an uns zu entspannen. Ein Spaziergang zum Strand und Meer ließ die erste Euphorie allerdings wieder abebben. Habe ich Ballermann Urlaub gebucht? Nein. Aber warum war ich dann hier? Mehrmals musste ich mich vergewissern, dass wir nicht im benachbarten Kuta untergekommen sind. Dies gilt ja als Ballermann der Australier. Wir konnten hier nicht lange bleiben, soviel war mir sofort klar und bis auf einen traumhaften Sonnenuntergang und einem atemberaubenden Besuch des Tanah Lot Tempels verbinde ich bis heute keine schöne Erinnerungen an diesen Ort. Jetzt standen wir vor der Herausforderung , wo wir auf dieser überfluteten Insel zu inneren Ruhe finden sollten? Wo sind diese magischen Orte, die uns inspirieren und anregen sollten. Am nächsten Tag sollte es also nach Ubud gehen.

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Drei Wörter, bei denen ein Großteil der Balinesen nur noch die Augen verdrehen. „Eat, pray, love“ Der weltweite Erfolg dieses Bestseller Romans und der anschließende Kinofilm mit Julia Roberts hat Bali und insbesondere Ubud mit voller Wucht getroffen. Soviel ist klar. Denn auch hier zerstörte die Realität meine malerischen Vorstellungen von diesem Aufenthaltsort. Das ehemals idyllische Künstlerdorf im Hinterland von Bali, einst malerisch eingebettet in üppigen Reisterrassen, ist heute vor allem nur noch eine Touristenattraktion. In den frühen Morgenstunden strömen hunderte Vans und Busse aus allen Himmelsrichtungen in die schmalen Gassen von Ubud. Den künstlerischen Aspekt in den Geschäfte und Ständen konnte ich hier aber nicht erkennen. Ich habe nur Souvenirshops gesehen. In Hundertschaften strömt man nun in den „Sacred Monkey Forest“, um für einen Schnappschuss mit den rotzfrechen, aber heiligen Affen zu posieren. Unser Ausflug dorthin fand ein jähes Ende, nachdem meine Tochter fast von einem dieser Affen gebissen wurde und unser kompletter Windelvorrat, zerstreut im Wald, unter todesängsten von mir dann wieder eingesammelt werden musste. Immerhin ist für das passende Unterhaltungsprogramm am Abend gesorgt und so entschied ich mich zu einen der hier täglich angebotenen Shows in einen der Tempel zu gehen. Sie greifen vor allem traditionelle Aspekte des allgegenwärtigen Hinduismus auf. Nach Sonnenuntergang, im Schein der Kerzen und Fackeln, während dieser doch sehr befremdlichen Melodien in meine Ohren drangen, versöhnte ich mich für einen kleinen Augenblick mit Bali und schloss diesen magischen Moment in mein Herz ein.

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Unsere Reise führte uns weiter nach Lovina. Nicht ohne auf dem Weg dorthin diverse Stationen einzuhalten. So hielten wir an den Jatiluwih Reisterrassen, Unesco Weltkulturerbe und daher noch die wohl ursprünglichsten und beeindruckendsten in ganz Bali, am Pura Tirta Empul, eine der heiligsten und wichtigsten Tempelanlagen Bali. Man sagt, die heiligen Quellen heilen Krankheiten und Schmerzen weswegen sämtliche Einheimische täglich dort hinpilgerten. Wir besuchten den Pura Ulun Danu Bratan, malerisch auf einer Insel inmitten des Bratan Sees, vor einer idyllischen Bergkulisse gelegen und machten einen Ausflug zu den Gitgit waterfalls, ein atem,beraubendes Naturspektakel . Zweifelsohne lässt sich also bestreiten, dass dies wundervolle Erfahrungen und Eindrücke waren. Während wir zwischen den unendlichen weiten der grünen und wahrlich kunstvoll angelegten Reisterrassen lang liefen, ehrfürchtig jeden einzelnen Tempel betraten, und fasziniert von der Gewalt des Wasserfalls waren, platzen unsere zuvor gewonnen und verträumten Ansichten von Bali spätestens an den Ausgängen. Dort wurden wir, die Touristen, nämlich durch ein Labyrinth von Marktständen, die billige Hosen, T-Shirts mit „Bintang“ Aufdrucken, Chemieverseuchte Sarongs und Penis-Flaschenöffner für 1 Dollar anboten, zurück zu unseren Fahrern, geführt. Der Norden Balis entpuppte sich als der bisher authentischste Aufenthalt auf der Insel, gleichwohl die schwarzen vulkanischen Strände nicht jedermanns Sache sein können. Auch für uns nicht. So reisten wir von dort wieder komplett in den südlichsten Teil der Insel, in der Hoffnung in Uluwatu mit seinem Padang Padang Beach endlich auch ein paar Traumstrände anzutreffen. Mit dem Roller erkundeten wir dort die Gegend, shoppten ausgefallene Klamotten, trafen auf stylische Surferboys und ernährten uns nur noch vegan und organisch. Wir hatten also das Hipster Paradies in Bali gefunden. Aber immer noch nicht Balis wahres Gesicht entdeckt. Hier endete auch unsere Reise auf Bali und es ging wieder zurück nach Deutschland.

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Mein persönliches Fazit? An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Betonung auf „persönlich“ liegt. Denn hier geht es ausschließlich um meine doch eigentlich immer sehr realistische und objektive (ok, ich gebe zu, in diesem Fall natürlich mit ein wenig Enttäuschung angehauchte) Meinung über das Traumziel Bali. Für Urlauber ist es sicherlich perfekt, aber auch für Leute, die auf authentische Einblicke in ein Leben anderer Kulturen werfen möchten? Bali hat zwei Gesichter. Einmal das geschminkte Gesicht. Die Touristenhochburgen, die aus Balis Grünflächen eine gigantische Hotelfläche gemacht hatten, wo traditionelle Restaurants dem westlichen Standard weichen mussten, für Reisende, die Entspannung und Urlaub suchen, noch ein wenig gemischt mit der indonesischen Lebensart. Doch es muss noch irgendwo die die ungeschminkte Version von Bali geben. Doch wo sie ist, das weiss ich nicht? Vielleicht im Norden Balis. Definitiv nicht in Seminyak, nicht in Ubud, nicht in Uluwatu. Aber ganz sicher dort, wo sich die wenigsten Touristen hin verirren…

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Ein Text von Teres
Instagram: little.linas.journey
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